Schönen guten Tag,
ich habe den Auftrag einen bestehenden Stahlbetonsturz aus den 1970er Jahren nachzuweisen. Der Sturz spannt über eine Fensteröffnung von l=4,20m. Oberhalb des Sturzes befindet sich ein Sparrendach, das Vertikalkräfte und Horizontalkräfte (Sparrendach besitzt kein Zugband) an den Sturz weiterleitet.
Nun habe ich diesen Querschnitt im Querschnittseditor mit den in der Planung angegebenen Bewehrungseisen definiert. Das Koordinatensystem im Querschnittseditor wurde an der Stelle definiert, an dem die Lasten aus dem Sparrendach eingeleitet werden. Im SOFiPLUS habe ich ein Element vom Typ “Balken mit Referenzachse” gewählt. So kann ich ohne großen Aufwand die Torsion im Querschnitt berücksichtigen.
Ich habe unterschiedliche Schubschnitte definiert. Die horizontalen Schubschnitte sind so definiert, dass sie ausschließlich den Schub aus Vz und die vertikalen Schubschnitte ausschließlich Schub aus Vy berücksichtigen. Die Bügelbewehrung ist mit Ø6/20 angegeben, also nicht sonderlich üppig.
Ich würde gerne wissen, ob die Schubschnittrichtungen richtig angenommen wurden. Die Definition im Handbuch geht immer von einem Querschnitt aus, bei dem geometrischer Schwerpunkt und Schubmittelpunkt in einem Punkt liegen. Bei meinem Fall ist das nicht so. Ist die Orientierung vom Schubmittelpunkt oder vom geometrischen Schwerpunkt abhängig?
Herzlichen Dank für die Hilfe vorab.
Hallo,
wie im Handbuch AQUA beschrieben, teilen Schubschnitte immer Teile des Querschnitts ab.
Die Eingabe erfolgt mit einem Anfangs- und einem Endpunkt, bei mehrteiligen Schubschnitten mit Zwischenpunkten. Die Koordinaten hängen vom Koordinatenursprung des Querschnittskoordinatensystems ab. Wichtig ist die Richtung des Schubschnitts, weil damit der abgetrennte Teil bestimmt wird. Eine ausführliche Beschreibung gibt es im AQUA Handbuch Satz QS – Schubschnitte. Wir empfehlen den abgetrennten Teil grafisch zu prüfen mit dem Programm Results (Result Viewer):
Grafik → Auswahl - Systemwerte → Querschnitte → Abgetrennte Schubteilfläche.
Wichtig ist noch die Angabe für die spätere Bemessung, ob es sich um einen Stegschnitt oder Gurtschnitt handelt und die eventuelle Einteilung in unterschiedliche Bügelbewehrungsränge.
Bügelbewehrungen werden in den Schubschnitten nicht mit Durchmesser und Abstand angegeben. Es wird nur eine Mindestschubbewehrung as,min berücksichtigt. Diese wird vom Programm automatisch berechnet nach EN 1992-1-1:2010 9.2.2 Gleichung (9.4) + (9.5N) bzw. nach NA DIN, je nach eingestellter Norm in Abhängigkeit vom Beton und Betonstahl. Diese Mindestschubbewehrung kann auch manuell geändert werden beim Schubschnitt (AQUA Satz QB Wert ASB).
Für die Torsion ist die Breite des Ersatzhohlquerschnitts wichtig. Diese ist beim Schubschnitt (AQUA Satz QB Wert BMAX) definiert und voreingestellt. Zusätzlich müssen Teiles der Längsbewehrung (Einzel- oder Linienbewehrung) torsionsaktiv sein. Dies muss vom Anwender vorgegeben werden. Die torsionsaktive Längsbewehrung beschreibt die Bredtsche Fläche Ak. Wir empfehlen auch hier, diese mit dem Programm Results grafisch zu prüfen:
Grafik → Auswahl - Systemwerte → Querschnitte → Ersatzhohlquerschnitt (Bredt).
Mit freundlichen Grüßen
Sabine Fahrendholz
Senior Product Manager
Schönen guten Tag Frau Fahrendholz,
vielen herzlichen Dank für Ihre schnelle Antwort.
In dem SOFiSTiK Tutorial “Spannbetonbrücke” wird darauf verwiesen, dass die Schubschnitte einen Teil des Querschnittes abtrennen müssen. Aber dort wird auch gesagt, dass der abgetrennte Teil immer derjenige ist an dem der Schwerpunkt nicht mehr “dranhängt”.
https://www.youtube.com/watch?v=7D9gfwhvL8Q&t=741
bei 2 Stunden 1 Minute und ca. 10 Sekunden und folgende.
Jetz war meine Frage, ob sich diese Aussage wirklich auf den Schwerpunkt bezieht oder auf den Schubmittelpunkt. Ich könnte in meinem Beispiel theoretisch zwischen Schwerpunkt und Schubmittelpunkt einen Schubschnitt legen. In welche Richtung muss dieser Schubschnitt dann zeigen?
Da die Querschnitte in Ihren Bespielen im Handbuch, schön einfach symmetrisch sind, lässt sich diese Frage nur schwierig bis gar nicht mit dem Handbuch beantworten.
Vielen lieben Dank für Ihre Mühen im Voraus.
Hallo,
es ist nicht relevant, ob der Schwerpunkt oder Schubmittelpunkt nicht im abgetrennten Teil liegt. Es ist nur wichtig, dass man i.d.R. den kleineren Teil mit dem Schubschnitt abtrennen soll. Im Tutorial hat der Kollege dies mit der ‚Eselsbrücke‘ Bezug auf den Schwerpunkt gemacht.
Ich habe da eine andere Brücke, um mir die Seite des abzutrennenden Teils zu merken:
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Bei STEU FAC NEG (y nach rechts) wird in Blickrichtung des Schubschnitts die rechte Seite abgeschnitten.
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Bei STEU FAC POS (y nach links) wird in Blickrichtung des Schubschnitts die linke Seite abgeschnitten.
Es gibt beim Schubschnitt auch die Möglichkeit diesen in den Schwerpunkt zu legen, ohne die tatsächlichen Koordinaten zu kennen. Dies erfolgt über:
- Definition eines Schubschnitts ( im Querschnittseditor mit beliebigen Anfangs- und Endkoordinaten)
- Für einen horizontalen Schnitt muss dann im Querschnittseditior Dialog Schubschnitt der Haken bei ‚Z im Schwerpunkt – horizontaler Schnitt‘ gesetzt werden (AQUA QS … ZA S + Y Koordinaten).
- Für einen vertikalen Schubschnitt analog Haken bei ‚Y im Schwerpunkt – vertikaler Schnitt‘ (AQUA QS … YA S + Z Koordinaten)
Bitte hier beachten, dass dies u.U. nicht korrekt sein kann, z.B. für den horizontalen Schubschnitt, wenn der Schwerpunkt eines Platten- oder Randbalkens im Plattenbereich liegt und nicht im Stegbereich.
Mit freundlichen Grüßen
Sabine Fahrendholz
Senior Product Manager
Hallo Frau Fahrendholz,
vielen herzlichen Dank für Ihre Hilfe.